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Mascha Kaleko – Letztes Lied

Ich werde fortgehn, Kind. Doch Du sollst leben
Und heiter sein. In meinem jungen Herzen
Brannte das goldne Licht. Das hab ich Dir gegeben,
Und nun verlöschen meine Abendkerzen.

Das Fest ist aus, der Geigenton verklungen,
Gesprochen ist das allerletzte Wort.
Bald schweigt auch sie, die dieses Lied gesungen
Sing Du es weiter, Kind, denn ich muss fort.

Den Becher trank ich leer, in raschem Zug
Und weiß, wer davon kostete, muss sterben …
Du aber, Kind, sollst nur das Leuchten erben
Und all den Segen, den es in sich trug:

Mir war das Leben wie ein Wunderbaum,
von dem in Sommernächten Psalmen tönen.
– Nun sind die Tage wie geträumter Traum;
Und alle meine Nächte, alle – Tränen.

Ich war so froh. Mein Herz war so bereit.
Und Gott war gut. Nun nimmt er alle Gaben.
In Deiner Seele, Kind, kommt einst die Zeit,
soll, was ich nicht gelebt, Erfüllung haben.

Ich werde still sein; doch mein Lied geht weiter.
Gib Du ihm deinen klaren, reinen Ton.
Du sei ein großer Mann, mein kleiner Sohn.
Ich bin so müde – aber Du sei heiter.

 

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Noam Chomsky – Man sieht doch mit bloßem Auge …

… wie sich die Gestalt der Macht verändert hat. Die PR-Industrie ist ein gutes Beispiel dafür. Wo sind Public Relations erfunden worden? In den freiesten Gesellschaften der Welt, in Amerika und England. Und warum? Weil es in freien Ländern schwierig ist, die Bürger über direkte Machtausübung zu kontrollieren. Sie müssen sie anders kontrollieren: Sie müssen ihre Meinungen beeinflussen, ihre Anschauungen und Haltungen. In freien Gesellschaften geht es darum, die Köpfe zu reglementieren.

Noam Chomsky

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Samuel Huntington – Die Macht muss im Dunkeln bleiben

Die Macht muss im Dunkeln bleiben. Wenn man sie ins Licht zerrt, dann löst sie sich auf – sie verdampft ganz einfach. Wer an der Macht bleiben will, der muss dafür sorgen, dass der Bürger nicht erfährt, was sie mit ihm macht.

Samuel Huntington

Die Zukunft des Journalismus – die Zukunft der Demokratie?

Auf dem Medienkongress (http://www.youtube.com/watch?v=UcToHRIVrsg ) wird über die Rettung des Journalismus diskutiert. Journalisten werden hier u.a.  als die Vermittler von Politik betrachtet – Medien und Politik als sich gegenseitig bedingende Systeme gesehen.

Es scheinen immer noch wenige begriffen zu haben, daß das Internet vor allem eines tut: Es macht die Vermittler von Information, Waren und Dienstleistungen überflüssig. So wie ich keinen Großhändler und keine Verkäuferin mehr brauche um meine Produkte an den Mann (oder die Frau) zu bringen, so wie ich keinen Versicherungsmakler mehr brauche um die beste Versicherung zu finden brauche ich keine Zeitung und keinen Journalisten mehr um über Politik zu berichten.

Die politischen Informationen, ob kommunaler, nationaler oder europäischer Natur könnten einfach in Form von Open Data zugänglich (Open Access)  gemacht werden und auf einer Plattform kanalisiert, strukturiert und visualisiert werden. Dann können die Menschen sich informieren, mit diskutieren und mit entscheiden (statt zu parteiklüngeln oder alle vier Jahre wählen zu gehen).

Wenn das Ganze dann noch inhaltlich und strukturell intelligent anhand vorhandener und eingebrachter Kompetenzen der einzelnen Menschen verteilt und aufbereitet wird, dann lassen wir endlich die mittelalterlich anmutende Repräsentativ-Demokratie heutiger Prägung hinter uns und steuern in neue politische Systemwelten von Direkt- oder Echtzeit-Demokratien und vielleicht sogar sowas wie Kollektiver Intelligenz. 

Und keiner kann mehr über die da oben schimpfen – das wär’ doch was!