Diesmal ist alles anders

Ich wundere mich doch sehr, dass die von mir geäußerte Aufforderung zur Wissenschaftlichkeit mit einer STRG F-Sendung beantwortet wurde. Das bedient einmal mehr einzig die emotionale Wahrnehmung und nicht eine rationale, sachliche oder gar wissenschaftliche Herangehensweise. Das ist das gleiche Prinzip wie mit den Bildern aus Bergamo.

Wenn man da mal ein bißchen tiefer gebohrt hätte, dann hätte man erfahren können, dass es nicht das schlimme Virus war, das zu den Bildern führte, sondern die geschürte Panik, die daraus resultierende Zunahme der Krankenhausbesuche, die schlechte Ausstattung des ital. Gesundheitssystems aufgrund neoliberaler Sparpolitik, die Auslagerung von Patienten in Altenheime, zuvor durchgeführte Grippe-Impfungen und mangelnde Krematorien aufgrund der italienisch-katholischen Bestattungskultur, die keine Verbrennungen vorsieht. Das führte dazu das Militär mit einem Transport der über Tage gesammelten Särge aufgrund Bestattungsverbots zu beauftragen. Die Wahrheit ist eben manchmal etwas komplizierter.

Du als Medienkundiger weißt doch, dass es immer darauf ankommt welchen Fokus man setzt, welche Aussage man treffen will und welche Bilder man auswählt.

Das bedeutet natürlich nicht, dass es keine Menschen gibt, die an Covid-19 schwer erkranken und auch sterben. Das bedeutet auch nicht, dass alle davon steinalt sind und Vorerkrankungen hatten. Es ist aber nun mal so, dass Covid-19 statistisch betrachtet fast ausschließlich für mehrfach vorerkrankte, zumeist ältere oder chronisch Kranke gefährlich ist. Ich verstehe nicht, warum dann doch immer wieder auf den statistisch irrelevanten Ausnahmen bei jüngeren Menschen rumgeritten wird. Die Grippe ist hier deutlich gefährlicher, da sie deutlich mehr junge Leute betrifft.

Das Leben ist nun mal mehr oder minder gefährlich und wir sterben früher oder später alle. Es gibt tausende Möglichkeiten jeden Tag zu sterben. Und die Chance für Menschen unter 70 an Covid zu sterben ist deutlich geringer als auf dem täglichen Weg zur Arbeit mit dem eigenen PKW tödlich zu verunglücken. Sind deshalb die Strassen leer?

Wenn man krank ist und ins Krankenhaus muß, dann ist es immer, egal um welche Krankheit es sich handelt, wunderbar und ein großes Glück von mitfühlenden, aufopferungsvollen und guten Pflegern und Ärzten betreut zu werden. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern wie glücklich und dankbar ich selbst nach vergangenen Operationen war gut ver- und umsorgt zu werden. Die Pfleger und Ärzte in Kliniken leisten einen wahnsinnig wichtigen Job. Wenns nach mir ginge könnten die alle gleich 50% Lohnerhöhung erhalten.

Dennoch ist in dem STRG-F-Beitrag nur ein Ausschnitt zu sehen. Ich hatte hier bereits von Ärzten aus meinem Bekanntenkreis erzählt, die in der Kölner Uniklinik Monate lang Däumchen gedreht haben. Wir wissen von vielen anderen Ärzten und Pflegern in ganz Deutschland, dass es ihnen nicht anders gegangen ist. Und wir hatten 400.000 Leute aus Kliniken und medizinischen Berufen in Kurzarbeit. Wie paßt das zusammen – Pandemie und Kurzarbeit beim Klinikpersonal?

Wenn ich mir jetzt die Statistiken zur Belegung der Intensivbetten anschaue, dann wird hier eine Auslastungsrate von 80% als dramatische Ausnahmesituation und in tief lila dargestellt. Dabei ist das für den Alltag von Intensivstationen normal. Das ist also ein schlechter Gradmesser. Intensivstationen sind so konzipiert, dass sie immer eine Auslastung von mind. 80% anstreben, da man wirtschaftlich arbeiten will. Dass ich es grundsätzlich für Schwachsinn halte ein Gesundheitssystem nach ökonomischen Gesichtspunkten zu betreiben hatte ich ja bereits erwähnt.

In den Zusammenhang finde ich witzig, dass in dem Link unter dem Video auf Statistiken und Grafiken verlinkt wird (https://tinyurl.com/y486umsml), die z.B. aussagen, dass in Norddeutschland die Auslastung der Intensivstationen überall deutlich unter 80% liegt und der Anteil von Covid-19-Patienten (trotz der Testproblematik) zw. 5-15% liegt. Hier muß man sich dann wieder die Frage stellen, ob das nun einer Pandemie würdig ist. Und all das wird durch den Umgang mit Covid-19 und die extrem hohen Sicherheitsvorkehrungen noch künstlich befeuert.

Wenn man sich dann noch ein bißchen in den letzten 10 Jahren umguckt und registriert, wie häufig immer wieder von Überlastung des Gesundheitssystems, von Kapazitätsengpässen und von Mangel an Personal die Rede ist (https://youtu.be/alTL1I-krh8) , dann sehe ich überhaupt keinen Grund dafür, warum man nun glauben müßte, es handelte sich diesmal um eine besondere und besonders gefährliche Situation. Eigentlich ist alles wie immer – nur diesmal wird halt alles anders gemacht.

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